«Der Frühling beginnt immer früher» - Klimawandel im Südwesten - Hans Peter Petersen Landtechnik

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«Der Frühling beginnt immer früher» - Klimawandel im Südwesten

Erschienen am 16.07.2017
Mehr Hagel, mehr Hitze, mehr neue Arten - der Klimawandel führt im Südwesten zu spürbaren Folgen. Umweltminister Untersteller stellt eine erste Bilanz vor - und berichtet, welche Maßnahmen ergriffen werden, um dem Klimawandel beizukommen.

Stuttgart (dpa/lsw) - Der Klimawandel macht auch vor Baden-Württemberg nicht halt. Zuletzt wurde das den Obst- und Weinbauern im Land schmerzlich bewusst: Späte Nachfröste führten zu immensen Schäden. Grund für die voraussichtlichen Ernteschäden sind nicht die tiefen Temperaturen, sondern die frühe Blüte oder wie es Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) formuliert: «Der Frühling beginnt immer früher.» Das ist aber nur eine der zahlreichen Folgen des Klimawandels im Südwesten, zu dem Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) an diesem Dienstag in Stuttgart Stellung nehmen will. Es gibt mehr:

HITZE: Die Jahresmitteltemperatur im Südwesten stieg seit 1901 bis heute von rund acht auf mehr als neun Grad. Den größten Anstieg gab es nach Angaben des Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) dabei erst in den vergangenen 30 Jahren. In Stuttgart gab es 1953 noch 25 Eistage mit Höchsttemperaturen unter null Grad und genauso viele Sommertage mit Höchsttemperaturen von mindestens 25 Grad. Bis 2009 erhöhte sich die Zahl der Sommertage in Stuttgart auf 45, die der Eistage ging auf 15 zurück. In der Zukunft sind vor allem der Rheingraben und der Rhein-Neckar-Raum vom Temperaturanstieg betroffen. Dort wird an einem Großteil der dann durchschnittlich 100 Sommertage das Thermometer auf mehr als 30 Grad steigen.

WINTERSTÜRME: In den vergangenen 20 Jahren traten sie vermehrt auf und fegten mit 200 Kilometern pro Stunde über die Bergkämme. In Erinnerung sind die Stürme Vivan und Wiebke (1990) sowie Lothar
(1999) und Kyrill (2007). Allein Orkan Lothar verursachte nach LUBW-Angaben in Süddeutschland, Nordfrankreich, der Schweiz und Österreich einen Schaden von 8,64 Milliarden Euro. Welche Schneisen der Verwüstung der Sturm in die Wälder riss, ist noch heute auf der Schwarzwaldhochstraße zu besichtigen.

HAGEL: Die Häufigkeit und Intensität von Hagelstürmen im Südwesten steigt. Die Zahl der Tage, an denen Versicherungen Hagelschäden gemeldet wurden, lag in den 1990er Jahren bei etwa 20 pro Jahr - und nun zwischen 30 und 40. In Erinnerung ist der Hagelsturm Ende Juli 2013. Eine fünf Kilometer breite und 27 Kilometer lange Hagelzelle beschädigte Häuser und Autos in den Kreisen Reutlingen, Tübingen, Göppingen und Esslingen und richtete einen Milliardenschaden an.

NEUE ARTEN: Die Erwärmung begünstigt die Einwanderung sogenannter Neubürger oder Neozoen. Beispiel ist der Buchsbaumzünsler, der wohl über Buchsbaumlieferungen aus China nach Europa kam. Auch einheimsche Schädlinge wie Maiszünsler und Borkenkäfer bringen teils zwei Generationen anstelle einer pro Jahr hervor. Hingegen wirkt sich das wärmere Klima auch für einige hiesige Tierarten positiv aus, etwa für die seltenen Wiedehopfe und Bienenfresser. Auch die Flora ändert
sich: Die wärmeliebende Ambrosia hat sich in der Region zwischen Rastatt und Mannheim, um Freiburg und um Stuttgart ausgebreitet. Die Pollen der aus Nordamerika eingeschleppten Pflanze können Asthma auslösen.

GESUNDHEIT: Nicht nur solche Pflanzen, sondern auch die Verbreitung krankheitsübertragender Tiere bereiten gesundheitliche Probleme. Ganz konkrete Gefahr geht von der asiatischen Tigermücke aus. Sie überträgt das eine schwere Grippe auslösende Dengue-Virus, das mit Fieber und Gelenkbeschwerden verbundene Chikungunya-Virus und das möglicherweise für schwangere Frauen gefährliche Zika-Virus.

EXTREMWASSERSTÄNDE: Nicht die Menge, aber die Verteilung der Niederschläge im Land ändert sich. Die Sommer werden trockener mit dem Risiko längerer Dürreperioden. Feuchtere Winter bergen die Gefahr von Hochwassern. Starkregen wie 2016 in Braunsbach werden keine Ausnahme bleiben.

WALD: Das Gesicht des Waldes im Südwesten ändert sich. Gerade die Baumarten, die am meisten vorkommen - Fichten und Buchen - leiden unter Trockenperioden. Die Nadel- und Blattverluste haben seit 2001 deutlich zugenommen. Forstwissenschaftler fürchten, dass diese Arten langfristig ganz verschwinden. Die Waldbrandgefahr wächst gebietsweise.